sapere aude, wage zu verstehen –

man kennt diesen Spruch, der häufig Kant zugeschrieben wird, und zum Leitspruch der Aufklärung, dem Wunsch nach Selbstbefreiung, wurde.
Es ist auch heute noch die Kenntnis der Dinge nicht schlecht. Zum Beispiel: die Kenntnis über sich selbst.
Aber ist es wirklich so, dass wir viel über uns wissen müssen, um ein Leben in Gelassenheit und Interesse führen zu können?  Ich denke nicht.
Wenn es um Selbsterkenntnis geht, geht es nicht um Viel-Wisserei. Auf psychologischem Gebiet ist ‚Wissen‘ eine Möglichkeit, Verbindung zum inneren Erleben aufnehmen zu können. Oft passiert es ja, dass man funktioniert und sich dabei wie abgeschnitten von sich selbst fühlt. Dann schwindet die Neugier und die Lust am Neuen. Man richtet sich irgendwie im Leben ein und versucht einigermassen unbeschadet über die Runden zu kommen. Viele fühlen jedoch, dass dabei Einiges an Möglichkeiten auf der Strecke bleibt. Und das ist eigentlich schade.
Diese Verbindungen zur inneren Welt des Erlebens zu schaffen, ist das Grundanliegen einer Psychotherapie oder Psychoanalyse. Es geht dabei nicht darum, den Menschen an irgend eine Normvorstellung anzupassen, sondern um das Auffinden von inneren, eigenen Spuren, die wegleitend für das Leben sein sollen.

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